Ein Kalender, der zu genau ist
Der Maya-Kalender zaehlt Tage seit einem mythischen Schoepfungsdatum. Fuenf Zyklen entsprechen fast perfekt einem Praezessionszyklus.
Die Maya entwickelten eines der praezisesten Kalendersysteme der antiken Welt. Der Lange-Zaehlungs-Kalender (Long Count) zaehlt die Tage seit einem mythischen Schoepfungsdatum: dem 11. August 3114 v.Chr. (nach der GMT-Korrelation).
[Long Count Calendar] Diese Datierung ist wissenschaftlich gesichert - wir koennen Maya-Daten mit unserem Kalender korrelieren.
| Einheit | Name | Wert |
|---|---|---|
| 1 Tag | Kin | 1 |
| 20 Tage | Uinal | 20 |
| 360 Tage | Tun | 360 |
| 7.200 Tage | Katun | 7.200 (~20 Jahre) |
| 144.000 Tage | Baktun | 144.000 (~394 Jahre) |
Ein vollstaendiger Zyklus umfasst 13 Baktuns - das sind 1.872.000 Tage oder etwa 5.125 Jahre.
Hier wird es interessant. Rechnen wir nach:
| Berechnung | Ergebnis |
|---|---|
| Ein Maya-Zyklus (13 Baktuns) | 5.125,36 Jahre |
| Fuenf Maya-Zyklen | 25.627 Jahre |
| Ein Praezessionszyklus | 25.772 Jahre |
| Differenz | ~145 Jahre |
| Prozentuale Abweichung | 0,56% |
Fuenf Maya-Zyklen entsprechen dem Praezessionszyklus mit einer Genauigkeit von 99,44%.
Zufall?
Stell dir vor, du wuerfilst eine Zahl zwischen 1 und 10.000. Die Chance, genau die richtige Zahl zu treffen, ist 0,01%.
Die Maya "wuerfelten" nicht. Sie berechneten. Aber wenn sie zufaellig einen Zyklus waehlten, der fast perfekt zur Praezession passt - dann waere das ein Treffer mit weniger als 1% Abweichung.
Bei einer zufaelligen Wahl waere die erwartete Abweichung viel groesser.
[Anthony Aveni] Einige Forscher - darunter Barbara MacLeod, Michael Grofe und Anthony Aveni - vermuten, dass bestimmte Maya-Daten auf Praezessionszyklen abgestimmt waren.
Warum sollten sie ausgerechnet die Praezession nicht bemerkt haben?
Die Maya waren nicht allein. Ueberall auf der Welt finden sich Kalendersysteme, die auf grossen Zyklen basieren:
| Kultur | Zyklus | Entsprechung |
|---|---|---|
| Maya | 5 x 5.125 Jahre | ~25.627 Jahre |
| Hindu (Yuga) | Verschiedene | Bis zu Millionen Jahre |
| Aegyptisch (Sothis) | 1.461 Jahre | Sternzyklus des Sirius |
| Persisch | 12.000 Jahre | Halber Praezessionszyklus? |
| Griechisch (Platonisches Jahr) | ~26.000 Jahre | Praezession |
[Platonisches Jahr] Platon selbst sprach vom "Grossen Jahr" - dem Zyklus, nach dem alle Planeten wieder in ihrer Ausgangsposition stehen. Die Griechen schaetzten ihn auf etwa 26.000 Jahre.
Auf Stele C in Quirigua (Guatemala) finden sich Daten, die Millionen von Jahren in die Vergangenheit reichen. Die Maya dachten in Zeitraeumen, die unsere Geschichte laecherlich klein erscheinen lassen.
| Zeitraum | Maya-Perspektive | Unsere Perspektive |
|---|---|---|
| 5.000 Jahre | Ein Zyklus | Gesamte dokumentierte Geschichte |
| 26.000 Jahre | Fuenf Zyklen | Seit dem Younger Dryas |
| 1.000.000 Jahre | ~200 Zyklen | Evolution des Menschen |
Fuer die Maya war Zeit nicht linear. Sie war zyklisch. Was einmal geschah, wuerde wieder geschehen. Der Untergang einer Welt war der Anfang der naechsten.
Am 21. Dezember 2012 endete der 13. Baktun des aktuellen Maya-Zyklus. Die Popkultur prophezeite den Weltuntergang.
Was die Maya selbst sagten? Nichts dergleichen.
Fuer sie war es schlicht das Ende eines Zyklus - wie Silvester, nur groesser. Die Welt endet nicht um Mitternacht. Sie beginnt neu.
[Maya Scholars] Maya-Gelehrte wie David Stuart betonten, dass die Apokalypse-Interpretation eine westliche Projektion war, keine Maya-Theologie.
Ob die Maya die Praezession kannten oder nicht - sie bauten einen Kalender, der:
Woher kam dieses Wissen?
Die konventionelle Antwort: Jahrhunderte sorgfaeltiger Himmelsbeobachtung.
Die alternative Frage: Wer lehrte die Beobachter?
Kurz nach dem Ende des Younger Dryas - als die Maya-Zeitrechnung noch nicht existierte - errichtete jemand in Anatolien Gobekli Tepe:
Auf Pfeiler 43 - dem "Geierstein" - finden sich Schnitzereien, die manche als Sternkarte interpretieren. Eine Sternkarte, die den Himmel zum Zeitpunkt des Younger-Dryas-Impacts zeigen soll.
[Gobekli Interpretation] Diese Interpretation ist hochgradig spekulativ. Aber sie wirft eine Frage auf:
Wenn eine Katastrophe das Wissen einer frueheren Zivilisation zerstoerte - wo wuerden die Ueberlebenden es bewahren?
In Stein. In Kalendern. In Mythen von Weltenenden und Neuanfaengen.
Das naechste Unterkapitel bringt alle Faeden zusammen: Praezession, Katastrophe, Kalender - und die Hypothese der "Verstimmung".
Die Maya wussten von der Praezession. Die Aegypter kannten die Zyklen. Wer lehrte sie - und warum?
Die Maya wussten von der Praezession. Die Aegypter kannten die Zyklen. Wer lehrte sie - und warum?