Silberne Seen unter der Gefiederten Schlange
2015 entdeckten Archaeologen unter einer mexikanischen Pyramide etwas, das ihre Vorstellung von antiken Kulturen erschuetterte: Seen aus fluessigem Quecksilber.
Der Tunnel unter dem Tempel der Gefiederten Schlange - 3D-Rekonstruktion
Es war 2003, als ein heftiger Regensturm ueber Teotihuacan hinwegfegte. Die Wassermassen spuelten ein Loch in den Boden direkt vor dem Tempel der Gefiederten Schlange - dem mysteriösten Bauwerk der riesigen Ruinenstadt.
Was wie ein simpler Erosionsschaden aussah, war der Eingang zu einer Welt, die 1.800 Jahre lang verborgen geblieben war.
Sergio Gomez, Archaeologe des mexikanischen Nationalinstituts fuer Anthropologie und Geschichte (INAH), erkannte sofort die Bedeutung. Der Tunnel war absichtlich versiegelt worden - irgendwann um 250 n. Chr. hatten die Teotihuacanos den Eingang mit Tonnen von Schutt verschlossen.
Warum versiegelt man einen Tunnel?
Die Ausgrabung dauerte sechs Jahre - von 2009 bis 2015. Was das Team fand, uebertraf alle Erwartungen:
| Fund | Menge | Bedeutung |
|---|---|---|
| Quecksilber | Grosse "Seen" am Tunnelboden | Erste signifikante Mengen in Mesoamerika |
| Jade-Figuren | Hunderte | Hoechster ritueller Status |
| Pyrit-Spiegel | An Waenden befestigt | Reflektierten Fackelschein wie Sterne |
| Obsidian-Klingen | Tausende | Rituelle und praktische Verwendung |
| Gummibaelle | Mehrere | Fuer das rituelle Ballspiel |
| Artefakte gesamt | Ueber 50.000 | Groesster Fund in Teotihuacan |
Das Bemerkenswerteste war nicht das Quecksilber allein - es war die Inszenierung.
Die Teotihuacanos hatten die Tunnelwaende mit Pyrit-Kristallen bestreut. Tausende dieser goldenen Splitter reflektierten das Fackellicht und verwandelten den Gang in einen funkelnden Sternenhimmel.
Am Ende des Tunnels: drei Kammern, die - so die Archaeologen - die Koenigskammern der Unterwelt (Mictlan) darstellten. Und auf dem Boden dieser Kammern: Quecksilber.
Fluesse der Unterwelt, nachgebildet aus fluessigem Metall.
Die konventionelle Archaeologie erklaert den Fund rituell: Das Quecksilber repraesentierte die Gewaesser der Unterwelt. Eine kosmologische Inszenierung fuer die Toten.
Aber Fragen bleiben:
Woher kam das Quecksilber? Es gibt keine dokumentierten Zinnober-Minen in der Naehe von Teotihuacan. Das naechste bekannte Vorkommen liegt Hunderte Kilometer entfernt. Jemand muss enorme Mengen eines hochgiftigen Materials ueber weite Strecken transportiert haben.
Wie haben sie es gehandhabt? Quecksilber ist toedlich. Die Daempfe verursachen Tremor, Psychosen, Nierenversagen. Wie konnten die Teotihuacanos grosse Mengen davon in einem geschlossenen Tunnel deponieren - und dabei ueberleben?
Warum die Versiegelung? Um 250 n. Chr. verschlossen die Teotihuacanos den Tunnel mit Absicht. Sie wussten, was darin war. Was wollten sie verbergen - oder beschuetzen?
Sergio Gomez und sein Team haben bewiesen, dass unter mindestens einer Pyramide in Mesoamerika signifikante Mengen Quecksilber deponiert wurden. Aber Teotihuacan ist nicht allein.
Spaetere Untersuchungen zeigten erhoehte Quecksilber-Kontamination an Maya-Staetten wie Caracol, Copan und Quirigua. Ein Muster beginnt sich abzuzeichnen:
Antike Kulturen in Mesoamerika verwendeten Quecksilber - nicht nur als Pigment, sondern als wesentlichen Bestandteil ihrer heiligsten Staetten.
Die Frage ist nur: Warum?
War es rein rituell - die Nachbildung kosmologischer Gewaesser?
Oder gab es eine Funktion, die wir noch nicht verstehen?
Teotihuacan war nicht der einzige Ort. Auf der anderen Seite der Welt liegt ein Grab, das seit ueber 2.000 Jahren niemand betreten hat - und das laut antiken Berichten ganze Fluesse aus fluessigem Silber enthaelt. Das Mausoleum des Ersten Kaisers von China birgt ein Geheimnis, das niemand zu lueften wagt.
Was wussten die Kulturen der Alten Welt?
Teotihuacan war nicht der einzige Ort. Auf der anderen Seite der Welt liegt ein Grab, das seit ueber 2.000 Jahren niemand betreten hat - und das laut antiken Berichten ganze Fluesse aus fluessigem Silber enthaelt.