Warum alle antiken Kulturen von extremer Langlebigkeit berichten
Sumerer, Hebraeer, Aegypter, Hindus - unabhaengig dokumentieren sie dasselbe: Menschen lebten einst Jahrhunderte. Fantasie oder Erinnerung?
So alt wurde angeblich Methusalem.
Die Bibel dokumentiert in Genesis 5 die Lebenszeiten der Patriarchen vor der Sintflut. Die Zahlen sind bemerkenswert konsistent:
| Patriarch | Lebensalter | Zeitspanne |
|---|---|---|
| Adam | 930 Jahre | Erschaffung bis ~930 |
| Seth | 912 Jahre | |
| Enosch | 905 Jahre | |
| Kenan | 910 Jahre | |
| Mahalalel | 895 Jahre | |
| Jered | 962 Jahre | |
| Henoch | 365 Jahre | (Wurde "entrückt") |
| Methusalem | 969 Jahre | Aeltester dokumentierter Mensch |
| Lamech | 777 Jahre | |
| Noah | 950 Jahre | Ueberlebte die Flut |
Dann aendert sich alles:
| Person | Lebensalter |
|---|---|
| Sem (Noahs Sohn) | 600 Jahre |
| Arpachschad | 438 Jahre |
| Schelach | 433 Jahre |
| Eber | 464 Jahre |
| Peleg | 239 Jahre |
| Terach | 205 Jahre |
| Abraham | 175 Jahre |
| Isaak | 180 Jahre |
| Jakob | 147 Jahre |
| Joseph | 110 Jahre |
| Moses | 120 Jahre |
Das Muster waere leicht abzutun, wenn nur die Bibel es enthalten wuerde. Aber dieselbe Geschichte wiederholt sich - unabhaengig - in anderen Kulturen.
Das Weld-Blundell Prism, heute im Ashmolean Museum in Oxford, ist eines der aeltesten historischen Dokumente der Menschheit. Es listet die Koenige Sumers - erst die vor der Flut, dann die danach.
Vor der Flut:
| Koenig | Stadt | Regierungszeit |
|---|---|---|
| Alulim | Eridu | 28.800 Jahre |
| Alalgar | Eridu | 36.000 Jahre |
| En-men-lu-ana | Bad-tibira | 43.200 Jahre |
| En-men-gal-ana | Bad-tibira | 28.800 Jahre |
| Dumuzid | Bad-tibira | 36.000 Jahre |
| En-sipad-zid-ana | Larak | 28.800 Jahre |
| En-men-dur-ana | Sippar | 21.000 Jahre |
| Ubara-Tutu | Shuruppak | 18.600 Jahre |
Gesamtzeit: 241.200 Jahre fuer 8 Koenige.
Nach der Flut:
| Koenig | Stadt | Regierungszeit |
|---|---|---|
| Jucur | Kisch | 1.200 Jahre |
| Kullassina-bel | Kisch | 960 Jahre |
| Nangischlischma | Kisch | 670 Jahre |
| ... | ||
| Historische Koenige | diverse | 20-50 Jahre |
Der hieratische Papyrus im Museo Egizio dokumentiert eine dreistufige Hierarchie vor den historischen Pharaonen:
| Epoche | Herrscher | Gesamtzeit |
|---|---|---|
| Goetter | 10 Netjeru | 955 Jahre |
| Shemsu-Hor | "Gefaehrten des Horus" | 13.420 Jahre |
| Mythische Koenige | Vor den Shemsu-Hor | 23.200 Jahre |
| Historisch | Pharaonen ab Menes | Normal |
Die Aegypter unterschieden klar zwischen drei Kategorien von Herrschern - und nur die dritte, historische Kategorie hatte "normale" Regierungszeiten.
Das Matsya Purana beschreibt vier kosmische Zeitalter - jedes mit abnehmender Lebenserwartung:
| Yuga | Charakteristik | Lebenserwartung |
|---|---|---|
| Satya/Krita | Goldenes Zeitalter, vollkommene Tugend | 100.000 Jahre |
| Treta | Silbernes Zeitalter, 3/4 Tugend | 10.000 Jahre |
| Dvapara | Bronzenes Zeitalter, 1/2 Tugend | 1.000 Jahre |
| Kali (heute) | Eisernes Zeitalter, 1/4 Tugend | 100 Jahre |
Die Parasarasmriti beschreibt sogar den physiologischen Mechanismus: In Satya Yuga erreichte das Altern erst die Knochen, in Treta das Fleisch, in Dvapara das Blut, und in Kali nur noch die aeusseren Substanzen.
| Kultur | Vor Katastrophe | Nach Katastrophe | Heute |
|---|---|---|---|
| Sumerisch | 28.800+ Jahre | 1.200 → 100 Jahre | ~80 Jahre |
| Hebraeisch | 900+ Jahre | 175 → 120 Jahre | ~80 Jahre |
| Aegyptisch | "Zehntausende Jahre" | Shemsu-Hor → Pharaonen | Normal |
| Hindu | 100.000 Jahre | 10.000 → 1.000 → 100 | ~80 Jahre |
Die Mainstream-Wissenschaft bietet mehrere Erklaerungen:
Die Zahlen sind nicht woertlich zu verstehen. Sie symbolisieren Weisheit, Prestige oder kosmische Zyklen.
Problem: Warum dann der konsistente Abfall? Symbolik erklaert nicht das Muster.
Monate statt Jahre? Lunare statt solare Zyklen?
Problem: Bei Methusalem (969 "Monate" = 80 Jahre) funktioniert das. Bei den sumerischen Koenigen (28.800 "Monate" = 2.400 Jahre) bricht die Erklaerung zusammen.
Die Geschichten verbreiteten sich von einer Ursprungskultur zu den anderen.
Problem: Die Details unterscheiden sich zu stark. Die Zahlen sind nicht identisch. Die kosmologischen Rahmen sind voellig verschieden.
Alle Kulturen traeumten denselben Traum - von einer besseren Vergangenheit.
Problem: Warum dann die spezifischen Zahlen? Warum der konsistente Abfall? Warum das Flut-Motiv als Wendepunkt?
Vielleicht stellen wir die falsche Frage.
Statt zu fragen: "Warum erfanden diese Kulturen so absurde Zahlen?"
Koennte man fragen: "Was wenn sie keine Zahlen erfanden - sondern dokumentierten?"
Die Texte sind echt. Die Zahlen stehen schwarz auf weiss (oder Keilschrift auf Ton). Die Frage ist nur: Was bedeuten sie?
Drei Moeglichkeiten:
Die dritte Moeglichkeit wird selten ernsthaft diskutiert. Aber sie ist nicht widerlegt - nur ungewoehnlich.
Wenn - und es ist ein grosses Wenn - die Zahlen Realitaet widerspiegeln, muesste es einen Mechanismus geben. Etwas, das erklaert, wie Menschen jahrhundertelang leben konnten - und warum sie es heute nicht mehr koennen. Das naechste Unterkapitel untersucht eine mathematische Beobachtung, die verbluffend ist - und zugleich hochspekulativ.
Gibt es einen Mechanismus?
Symbolik? Andere Zeitsysteme? Oder gibt es eine Erklaerung, die niemand ernsthaft in Betracht zieht?