Der Geruch, der nicht verschwinden will
Ein Gang durch die Rote Pyramide von Dahshur, wo ein stechender Ammoniakgeruch die Besucher ueberrascht - und die Mainstream-Erklaerung Fragen offen laesst.
Die Rote Pyramide von Dahshur ist die drittgroesste Pyramide Aegyptens. Sie traegt ihren Namen wegen des roetlichen Schimmers ihrer Kalksteinbloecke. Fuer Touristen ist sie ein Geheimtipp - weniger ueberlaufen als Gizeh, aber ebenso beeindruckend.
Der Eingang liegt etwa 28 Meter ueber dem Boden. Ein enger Gang fuehrt steil hinab ins Innere - 63 Meter lang, bei einem Neigungswinkel von 27 Grad. Gebeugt, mit einer Hand an der rauen Steinwand, steigst du hinab.
Und dann ist da dieser Geruch.
Hunderte von TripAdvisor-Bewertungen erwaehnen den Geruch: [TripAdvisor Berichte - Red Pyramid]
"Der Ammoniakgeruch in der unteren Kammer ist fast unertraeglich."
"Bring ein Tuch mit. Der Geruch ist sehr stark."
"Es riecht wie ein schlecht gelueftetes Chemielabor."
Der Geruch ist kein Mythos, keine Uebertreibung. Er ist real, dokumentiert, von tausenden Besuchern bestaetigt.
Die Rote Pyramide hat drei Kammern, die uebereinander liegen:
Die erste Kammer: Am Ende des Abstiegsgangs. Hier beginnt der Geruch.
Die zweite Kammer: Ueber einen weiteren Gang erreichbar. Der Geruch wird staerker.
Die dritte Kammer: Die hoechste und am tiefsten gelegene. Hier ist der Geruch am intensivsten - bis zu dem Punkt, dass manche Besucher umkehren.
Die offizielle Erklaerung lautet: Fledermaus-Guano. [Mainstream-Erklaerung: Fledermaus-Guano]
Fledermaeuse leben in vielen aegyptischen Graebern und Pyramiden. Ihr Urin und Kot enthalten Harnsaeure, die sich im Laufe der Zeit zu Ammoniak zersetzt. In einem geschlossenen Raum ohne Belueftung reichert sich dieser Geruch an.
Diese Erklaerung ist nicht unplausibel. Sie ist die einfachste Loesung.
Aber Geoffrey Drumm, ein autodidaktischer Forscher, der Jahre mit der Erforschung aegyptischer Pyramiden verbrachte, stellt sie in Frage.
Drumm besuchte viele aegyptische Graeberund Tempel, die von Fledermauskolonien bewohnt werden. Er kennt den Geruch von Fledermaus-Guano. [Geoffrey Drumm - Land of Chem]
Er beschreibt ihn als "Nagetierkaeefig-Geruch" - organisch, tierisch, muffig. Der typische Ammoniakgeruch, den man von Tierstallungen oder ungepflegten Kleintierkaefigen kennt.
Der Geruch in der Roten Pyramide sei anders:
Chemisch rein: Nicht organisch-muffig, sondern scharf und klar - wie industrielles Ammoniak.
Intensitaetsmuster: In Fledermaushoehlen ist der Geruch am staerksten, wo die Fledermaeuse nisten - typischerweise in der Naehe des Eingangs oder an Ruheplaetzen. In der Roten Pyramide ist er am staerksten in der tiefsten Kammer.
Keine Fledermaeuse: Drumm behauptet, keine nennenswerte Fledermauspopulation in der Roten Pyramide gesehen zu haben.
Ammoniak (NH3) ist eine Grundsubstanz der chemischen Industrie. Er ist der Ausgangsstoff fuer:
Ohne industrielle Ammoniakproduktion waere die moderne Zivilisation undenkbar. Das Haber-Bosch-Verfahren, das 1913 entwickelt wurde, um Ammoniak synthetisch herzustellen, ernaehrt heute etwa 40% der Weltbevoelkerung durch stickstoffbasierte Duengemittel.
Drumms These: Die Rote Pyramide war eine Anlage zur Ammoniakproduktion.
Das moderne Haber-Bosch-Verfahren benoetigt:
Kalkstein - das Baumaterial der Pyramiden - wuerde unter diesen Bedingungen bersten. Keine antike Technologie, die wir kennen, koennte diese Parameter erreichen.
Drumms Gegenargument: Vielleicht kannten die Erbauer ein Verfahren, das wir heute nicht kennen. Niederdruck-Methoden, akustische Katalyse, biologische Prozesse. Die Abwesenheit eines bekannten Mechanismus bedeutet nicht die Abwesenheit einer Funktion.
Der Geruch ist real. Das steht ausser Frage.
Die Frage ist die Interpretation:
Fledermaus-Guano erklaert den Geruch einfach und ohne Annahme unbekannter Technologien.
Industrielle Rueckstaende wuerden den Geruch, seine Intensitaet und sein Muster erklaeren - erfordern aber die Annahme einer Technologie, fuer die es keine anderen Belege gibt.
Was wir mit Sicherheit sagen koennen:
Im naechsten Unterkapitel folgen wir dem Wasser - vom Nil ueber den Tal-Tempel, durch die Aufwege, bis zu den Pyramiden. Ein Filtersystem, das Sinn ergibt, wenn man es als Ingenieurswerk betrachtet.
Wenn die Rote Pyramide eine chemische Anlage war, brauchte sie eines ganz sicher: reines Wasser. Aber der Nil ist voller Schlamm. Wie loest man dieses Problem?
Der Geruch ist real. Die Frage ist nicht, ob er existiert. Die Frage ist: Was hat ihn erzeugt - und warum ist er nach 4.500 Jahren noch da?